BAUZINSEN IM TIEFFLUG

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Noch nie war Baugeld in den letzten 40 Jahren so günstig wie gerade. Der historische Tiefstand von 2016 wurde im Juli noch einmal unterschritten. Die Zinsen für Baugeld orientieren sich an den Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen und Pfandbriefen. Diese sind im Juli auf einen Rekord von -0,409% gefallen. Das bedeuted, die Käufer dieser Anleihen bezahlen einen höheren Betrag als sie am Ende zurück bekommen. Eine absurde Situation. Da Baugeld - je nach Marge der Kreditinstitute - sich ca. 1 % über der Rendite der Anleihen bewegt, sind Darlehen mit einer Laufzeit von 10 Jahren derzeit ab 0,5% Zinsen zu haben. Es gibt aber auch Nebenwirkungen des billigen Geldes.

Durch die niedrigen Zinsen sind die Preise für Immobilien in Deutschland stark gestiegen. Laut Zahlen der Bundesbank haben sich die Immobilienpreise in den sieben einwohnerstärksten deutschen Städten in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Die Inflation findet somit in den Vermögenswerten statt. Durch die hohen Preise sinkt der Anteil des zur Verfügung stehenden Eigenkapitals bei den Immobilienfinanzierungen. Oft werden die eigenen Finanzmittel schon durch die Nebenkosten des Immobilienkaufs aufgebraucht, die bis 11% der Kaufsumme betragen können. Dadurch steigen die Beleihungsausläufe der Darlehen und die Höhe der Darlehensummen. Eine Untersuchung des Immobilienfinanzierers Dr. Klein bestätigt dies: Mit 252.000 Euro lag der durchschnittliche Darlehensbetrag etwa 4000 Euro über dem Wert des Vormonats und rund 34.000 Euro oberhalb der Summe, die Käufer noch im Juni 2018 in Deutschland finanziert haben. Und hier liegen die Gefahren. Sollte die Konjunktur abflachen und die Preise für Immobilien fallen, sind der Eigenkapitalpuffer und die Darlehensbelastungshöhe der Finanzierung für die Stabilität des Finanzierungsprojektes entscheident. Sind Finanzierungen zu knapp bemessen, droht der Zwangsverkauf bei Marktkorrekturen. Dies kann eine Abwärtspirale bei den Immobilienpreisen in Gang setzen und die Stabilität des Bankensystems auf die Probe stellen. Dazu passt die jüngste Meldung der EZB, die vor einer Überhitzing des europäischen Immobilienmarktes warnt.

Volkhard Quitsch